Lexikon

Das Kurrent-Alphabet – deutsche Schreibschrift von 1866

Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Die deutsche Kurrentschrift wurde ab dem frühen 16. Jahrhundert bis in die 1940er Jahre im deutschen Sprachraum verwendet und hat im Laufe der fast 300-jährigen Verwendung immer wieder individuelle Ausprägungen angenommen. Es gibt somit nicht „die" Kurrentschrift, wie wir es heute von normierten Computerschriften kennen – entsprechend anspruchsvoll ist die Transkription von Kurrentschrift in für uns heute lesbare Schriftsätze.

Folgend finden Sie ein Kurrent-Alphabet von 1866, das eine gute Orientierung bietet, um sich in das Thema einzufinden.

Kurrent Alphabet 1866 – deutsche Schreibschrift mit Klein- und Großbuchstaben

Bildquelle: „Der Damen-Briefsteller", 1866 – gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Zu sehen ist das Alphabet in Klein- und Großbuchstaben, dazu Sonderformen (ß, ck, st, tz) und die zeittypische Umlaut-Schreibweise, bei der ä, ö und ü als ae, oe und ue ausgeschrieben werden.

Die tückischen fünf Buchstaben

Kurrent lässt sich oft nur über die Verbindungen zwischen den Buchstaben entziffern, nicht über den einzelnen Buchstaben. Besonders deutlich wird das bei e, n, m und u: Alle vier bestehen im Kern aus denselben kurzen Auf- und Abstrichen und unterscheiden sich fast nur durch ihre Anzahl und feine Zusatzzeichen. Ein u trägt einen Bogen darüber, ein n und ein e sehen isoliert beinahe identisch aus – erst im Wortverlauf lösen sie sich auf.

Der fünfte Kandidat ist das s. Es kennt in der Kurrentschrift bis zu drei Formen, je nach Position im Wort: das lange s (ſ) am Wort- und Silbenanfang, das Schluss-s am Wortende und Mischformen in Zusammensetzungen. Wer diese Regel nicht kennt, liest das lange ſ schnell als f – einer der häufigsten Anfängerfehler.

Sütterlin vs. Kurrent

Sütterlin ist eine vereinfachte Form der deutschen Kurrentschrift, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Ludwig Sütterlin entwickelt wurde. Typisch sind die stärker senkrechten und gleichmäßigen Buchstaben, während ältere Kurrentschriften meist schräger und variabler geschrieben wurden. 1941 wurde die deutsche Schreibschrift – und damit auch Sütterlin – durch einen Erlass der Nationalsozialisten aus dem Schulunterricht verbannt.

Vom Alphabet zur Praxis

Wer in Familienarchiven, Kirchenbüchern und alten Briefen forscht und auf Kurrentschrift trifft, wird schnell merken, dass ein einfaches Auswendiglernen der Buchstaben nur bedingt hilft. Jede Handschrift hat ihre individuelle Note: Je nachdem, aus welchem geografischen Raum der Schreiber kam, gab es Eigenheiten, wie Buchstaben geschrieben wurden. Das bringt heutige Forscher – und auch die KI – oftmals an ihre Grenzen. Aber wir können aus mehreren tausend mit Scriptling transkribierten Dokumenten ein sehr positives Zwischenfazit ziehen und freuen uns darüber, dass wir in so vielen Fällen zu einer Neuentdeckung der eigenen Familiengeschichte beitragen konnten.

Je individueller die Ausprägung der Handschrift und je schwieriger die Qualität der Vorlage ist, desto mehr Ungenauigkeiten schleichen sich in die Transkription ein. Wir haben einige wertvolle Tipps zusammengestellt, wie Sie bereits bei der Fotografie des zu transkribierenden Dokuments die Qualität der Transkription positiv beeinflussen können. Lesen Sie hierzu: Alte Dokumente fotografieren: So erzielen Sie die beste Transkription.

Sie haben alte Dokumente, die in Kurrent oder Sütterlin geschrieben wurden? Dann testen Sie gern unsere Transkription per KI. Jetzt ausprobieren.

Häufige Fragen

Gibt es nur eine Kurrentschrift?

Nein. Die Kurrentschrift wurde über rund 300 Jahre verwendet und hat sich in dieser Zeit stark gewandelt. Je nach Epoche, geografischer Region und individueller Handschrift gibt es deutliche Unterschiede – anders als bei genormten Computerschriften von heute.

Was ist der Unterschied zwischen Kurrent und Sütterlin?

Sütterlin ist eine vereinfachte Form der deutschen Kurrentschrift, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Ludwig Sütterlin entwickelt wurde. Die Buchstaben stehen steiler und gleichmäßiger, während ältere Kurrentschriften schräger und variabler geschrieben wurden.

Bis wann wurde die Kurrentschrift verwendet?

Vom frühen 16. Jahrhundert bis in die 1940er Jahre. 1941 wurde die deutsche Schreibschrift durch einen Erlass aus dem Schulunterricht verbannt, danach verschwand sie weitgehend aus dem Alltag.

Kann KI Kurrentschrift fehlerfrei transkribieren?

Nein – dafür sind alte Handschriften zu individuell und die Vorlagen oft zu schwierig. KI kann aber eine große Erleichterung sein, weil sie den Großteil der Arbeit abnimmt. Scriptling kennzeichnet Stellen, die nicht sicher entziffert werden konnten, damit Sie gezielt nacharbeiten können.

Alte Schrift entziffern?

Testen Sie Scriptling direkt im Browser oder prüfen Sie vorab, welches Scan-Paket zu Ihrem Vorhaben passt.